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Technik für den Blog

Um für einen Blog eine vernünftige technische Qualität zu erreichen, sind nur recht einfache Anforderungen notwendig. Also gehen wir einmal die wesentlichen Möglichkeiten durch.

Smartphone

Ein halbwegs modernes Smartphone ist absolut ausreichend für fast alle Fälle. Damit werden Fotos aufgenommen sowie kurze Video- Sequenzen. Selbst reine Tonaufnahmen sind möglich (die entsprechende App heisst „Sprachmemo“, „Diktiergerät“ oder so ähnlich).
Besonders schön ist, dass fast alles automatisch eingestellt wird – was die Konzentration auf das fotografierte Motiv fördert.
In letzter Zeit werden auf den neuen Smartphones spezielle „Fotos“ aufgenommen: dabei handelt es sich eigentlich um kurze Videosequenzen. Der Vorteil ist, dass man noch im Nachhinein aus vielleicht 10 oder 20 Einzelbildern das schönste Foto auswählen kann. Egal ob bei einzelnen Personen oder bei Gruppen: Es ist möglich, den einen Moment zu finden, in dem niemand die Augen zu oder den Mund auf hat…
Das folgende Beispiel zeigt sehr schön, wie sich durch das spätere Auswählen eines Bilds aus der kurzen Videosequenz der Charakter komplett verändern lässt:

Dieses Bild wurde als „normales“ Foto vom Smartphone geliefert. Schön, eine Ente.
Das dahinter versteckte Video (nur 2 Sekunden lang) zeigt einen entspannten Schluckvorgang der Ente.
Aus dem Video einen Schnappschuss ausgesucht: Aus dem langweiligen Schlucken wurde ein ausdrucksstarkes Schreien.

Bei Apple iPhones geht das so: Erst normal fotografieren; bei kurzer Berührung des Auslösers wird daraus ein „Live“ Bild. Danach Bild anschauen und „Bearbeiten“, dann aus den vielen Einzelbildern das Schönste aussuchen, per „Schlüsselfoto festlegen“ – fertig.
Bei längerer Berührung des Auslösers wird sowieso ein Video daraus…

Ahoi – damit könnte an dieser Stelle der Beitrag „Technik für den Blog“ beendet sein. Das Smartphone reicht, um erfolgreich Blogs zu gestalten.
Solltest Du aber darüber hinaus Interesse an Medientechnik haben, dann schau Dir die folgenden Abschnitte an:

Klassischer Fotoapparat

Für die Verwendung in einem Blog sind Fotoapparate nur selten von Vorteil gegenüber den modernen Smartphones.
Ausnahmen sind speziell teure Geräte, diese haben ihre Berechtigung bei wenig Licht oder für HDR- Aufnahmen. Dann aber nur sinnvoll zusammen mit fachlich anspruchsvoller Nachbearbeitung ab RAW- Bildformat.

So wird das Bild mit Automatik abgeliefert: Das Cockpit ertrinkt im Dunkel, die Aussenwelt ist überbelichtet.
Vor 20 Jahren hätte man gerne mit manueller Einstellung unterbelichtet. Dann sieht man wenigstens, was draussen los ist…
Heute gefühlvoll mit HDR-Technik digital entwickelt: Sowohl Cockpit wie auch draussen alles gut erkennbar

Ausserdem wird man einen klassischen Fotoapparat zusammen mit einem Stativ gerne für Focus- Stacking- Aufnahmen wählen. Mit manueller Entfernungseinstellung klappt das sehr gut – was bei Smartphones eher schwierig zu machen ist. Allerdings auch hier nur mit spezieller Software in der Nachbearbeitung.

Der Vordergrund ist scharf, alles weiter Entfernte nicht mehr
Jetzt ist es hinten scharf, vorne nicht
Man nehme die beiden vorigen Bilder, und noch eine Menge dazwischen, und verrechne alles: Plötzlich ist alles scharf

Focus Stacking” wird in Blogs recht häufig gebraucht – besonders zum Verkauf von irgendwelchen Waren. Ob das für Schleusenschiffer interessant ist? Wohl eher selten; aber wenn, dann ist diese Technik alternativlos…

Übrigens gibt es recht günstige Fotoapparate, klassische oder auch GoPro (Action Cameras), die komplett wasserdicht sind – was an Bord vielleicht ein Punkt ist. Aber: Tauchen oder Schnorcheln in den Binnenwasserstrassen ist nicht lustig. Sinn macht das nur bei absolut klarem Wasser, zum Beispiel über einem Korallenriff. Aber auch das ist nicht lustig, weil man bei Sonnenlicht vor lauter Spiegelungen das Kameradisplay gar nicht sieht und somit eine Art Blindflug unter Wasser macht…

Videokamera

Nicht so recht beachtet im Schatten der Smartphones, aber hier ist im Laufe der letzten Jahre viel Neues entstanden.
Die Tonaufnahmen sind recht ordentlich geworden (…früher mit Magnetbändern noch sirenenartige Motorgeräusche, heute mit Chipkarten absolut geräuschlos).
Egal ob auf dem Boot oder an Land, früher hatten die Aufnahmen immer Wellen- Schaukel- Feeling. Man konnte die Zuschauer bis zum Schwindelanfall bringen. Aufnahmen aus der Hand hatten praktisch nie ein professionell wirkendes, ruhig stehendes Bild. Das leidige Wackeln, speziell bei Teleaufnahmen, ist heute durch Technik fast vollständig im Griff.
Hierzu setzt man ein „Gimbal“ ein. Das ist ein elektromotorisch betriebener Griff, der die Kamera präzise gerade hält. So ein Gimbal gibt es für Smartphones wie auch grosse Kameras zu kaufen – ist allerdings etwas umständlich in der Handhabung.
Besser erscheint mir ein Konzept, bei dem ein Gimbal in der Kamera bereits eingebaut ist. Im Beispielvideo sieht man die -absichtlich sehr heftigen- Zitterbewegungen des Kameramanns und die kompensierenden Bewegungen der Optik im Gehäuseinneren.

Ein Selfie im Spiegel: Man beachte die Bewegung der Optik im Inneren der Kamera. Beim Hersteller Sony heisst diese Technik „Balanced Optical Steady Shot“

Bei den älteren/ billigeren Kameras kommt lediglich eine „digitale Bildstabilisierung“ zum Einsatz. Siehe hierzu das (abschreckende) Beispiel:

Ab und zu werden oben und unten seltsame Streifen eingefügt – da ist der Automatik einfach nichts besseres eingefallen. Na ja, für diese Aufnahme habe ich mich einen halben Meter weit über die Reling gehängt, was dann bei Wind und Tele eben keinerlei wackelfreien Aufnahmen erlaubt.

Was übrigens für uns Bootfahrer recht angenehm ist: so eine Videokamera wird einhändig bedient. Der Zeigefinger zoomt, der Daumen startet und stoppt die Aufnahme. Soll heissen: die andere Hand ist frei, um sich festzuhalten und nicht ins Wasser zu fallen…

Die ganz neuen Modelle mit 4k- Video- Auflösung haben einen interessanten Nebeneffekt, selbst wenn man als Fernseher „nur HD“ hat: die hohe Auflösung von 3840 x 2160 Pixel (also immerhin mindestens 8.3 Megapixel) ist auch für normale Fotos geeignet. Also nur ein Gerät kommt auf die Safari mit, und das Zoom ist weitaus besser als beim Smartphone.
Stellt man so eine 4k- Videokamera dann auf „HD“ (also 1920 x 1080 Pixel, ca. 2 Megapixel, heute die üblichen HD- Fernsehprogramme), dann kann man sensationelle Zeitlupenaufnahmen machen. Zum Beispiel im Sport oder wenn der Skipper gerade ins Wasser fällt.

Tips für Video

Wenn man früher nur Fotos gemacht hat und jetzt das erste Mal Videoaufnahmen macht, dann bitte folgende Faustregeln beachten:

  • Nicht die Kamera sollte sich bewegen, sondern das aufgenommene Motiv. Also lieber keine Schwenks oder auch Zoomfahrten – damit es den Zuschauern nicht schwindlig wird.
  • Sollte ein Schwenk dennoch einmal mitten in der Aufnahme notwendig sein, dann gerne sehr zügig durchziehen, und die Aufnahme mit dem Ton ohne Unterbrechung weiterlaufen lassen. Und kurz danach vielleicht ein Detail in der Nähe oder einen Blick in die Ferne aufnehmen. In der Nachbearbeitung wird dann der zweite Schnipsel (ohne Ton) über den Schwenk geschnitten (…und kein Mensch bemerkt den Schwenk).

Hast Du vor, selber Videos in Spielfilmlänge zu schneiden? Na, dann viel Spass bei der Nachbearbeitung. Selbst bei Schnittprofis dauert die Nachbearbeitung meist länger als der zu dokumentierende Urlaub. Und besorge Dir dazu: Funkmikrofone für sprechende Personen, ein gutes Schnittprogramm, welches Dir auch Hintergrundmusik liefert, jeweils auf die Sekunde genau passend neu komponiert…
Im Gegensatz dazu sind kurze Videoschnipsel für einen Blog geradezu ideal. Setze einfach Textpassagen zwischen die Videoschnipsel – das gibt wenig Arbeit, sieht trotzdem cool aus und wirkt absolut professionell.

Und die wichtigste Regel von allen: Jede Regel kennt Ausnahmen – deswegen gilt bei aller Theorie: einfach ausprobieren. Ich helfe gerne von meiner Seite, sollte es knifflig werden…

Und sonst noch…

Speicherplatz in der Kamera ist reichlich da: eine aktuell übliche SD- Chipkarte hat vielleicht so 128 GByte (…da gibt es noch viel Grössere). Das entspricht ja immerhin 27 DVD- Scheiben zu jeweils 4.7 GByte.

Also: lieber immer etwas mehr aufnehmen, zu Hause ist es ja schnell gelöscht. Nacharbeit besteht also zum grössten Teil aus Auswählen und löschen. Interessant dabei: meine Erfahrung ist, dass man dabei oft sehr schöne neue Facetten entdeckt, die man selber bei der Aufnahme gar nicht wahrgenommen hat.

Wieviel Speicher darf ein einzelner Blogbeitrag auf dem Server belegen?

Das absolute obere Limit ist so etwa bei 40 MByte für einen Blogbeitrag mit allem inclusive (Text, Foto, Audio, Video). Im Moment tasten wir uns ein wenig an diese Grenze hin – probeweise gewonnene Erfahrungen deuten dahin, dass nicht ein einzelner Blogbeitrag das Problem darstellt, sondern die Summe mehrerer Beiträge, wenn sie in einem Katalog zu mehreren zusammengefasst werden.

  • Die genannte Grösse ist für kurze Videos in relativ geringer Auflösung (z.B. 854 x 480 Pixel) sinnvoll. Längere Videos in Spielfilm- Länge, noch dazu in HD-Qualität, gehen sowieso nicht. Losgelöst von den technischen Fragen: „Blog“ ist eher ein Format für den eiligen Leser/Zuschauer. Experten sagen, ein Blog mit mehr als 1000 Worten ist langweilig. Ebenso ein Video mit mehr als ein paar Minuten. Dann wird der Konsum gerne nach der Hälfte abgebrochen (…ob das auch bei SSK- Themen so stimmt?).
  • Längere Videos könntest Du zum Beispiel in YouTube hochladen, in mehr oder weniger beliebiger Länge und allen Qualitätsgraden. Darauf einfach einen Link in den Blog- Beitragstext setzen. Blöd nur, dass man dann als Zuseher Werbung anschauen oder mit Geld Werbefreiheit bezahlen muss…
  • Für Fotos würde ich sinnvolle Grössen ungefähr bei 1-4 Mbyte sehen – mehr macht keinen Sinn, weil die übliche Darstellung im Web einfach nicht mehr hergibt (der Bildschirm einer Website ist selten breiter als 1000 Pixel). Grössere Fotos, so zum Beispiel aus einer guten (teuren) Kamera werden gerne 25 Mbyte gross – hier ein Original mit vielleicht 6000×4000 Pixel hochzuladen, macht also keinen Sinn. Die Auflösung wird dann sowieso automatisiert auf die üblich zu erwartende Auflösung (ca. 1000×1000 Pixel) gestutzt. Meine Empfehlung ist: Grosse Fotos vorher selber auf eine Grösse von ca. 1-4 Mbyte im JPG- Format herunterskalieren, mit vielleicht 1200×800 Pixel, weil man dann den besten Einfluss auf ein „schönes“ Ergebnis hat (…was je nach Motiv etwas anderes ist).

Aus dem genannten kann man also schliessen: Deine Kamera braucht nicht unbedingt riesig viele Pixel. Das wichtigste optische Gerät ist das Auge des Fotografen, um all die schönen Dinge zu sehen, die man dann auch noch fotografieren könnte…

Viel Spass beim Fotografieren!

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